Weisheit ist spurlos verschwunden

„Der Verstehende ist nicht entrückt. Er ist nicht woanders. Er macht keine Erfahrung. Er ist nicht leidenschaftslos und harmlos. Er ist wach. Er ist gegenwärtig. Er sieht kein Hindernis in Geist, Identität, Differenzierung und Verlangen. Er benutzt Geist, Identität, Differenzierung und Verlangen. Er ist leidenschaftlich. Seine Eigenart erregt Anstoß bei jenen, die entrückt, woanders und im Mechanismus der Erfahrung eingeschlossen sind, die schlafen und als alle möglichen Formen von Identität, Trennung und Abhängigkeit leben. Er ist nur jenen genehm, die verstehen.
Er erscheint einem vielleicht nicht anders als irgendein anderer Mensch. Wie könnte er einem auch anders erscheinen? Es gibt nichts anderes, wodurch man erscheinen könnte, als die Eigenschaften des Lebens. Es sieht vielleicht aus, als habe er nichts gelernt und sei jeglicher Art von Torheit und Irrtum verhaftet. Wie könnte es auch anders sein? Verstehen ist keine andere Kommunikation als das Gewöhnliche. Es gibt nur das Gewöhnliche. Es gibt keine besondere und exklusive Kommunikation, die die Wahrheit ist. Es gibt keinen exklusiven Zustand der Wahrheit. Es gibt jedoch das Verstehen des Gewöhnlichen.
Der Verstehende ist daher unauffindbar. Man kann ihm nicht folgen. Man kann ihn nur als das Gewöhnliche verstehen. Er ist nicht spirituell. Er ist nicht religiös. Er ist nicht philosophisch. Er ist nicht moralisch. Er ist nicht wählerisch, hager und gesetzestreu. Er scheint immer das Gegenteil zu sein von dem, was du bist. Er scheint immer mit dem zu sympathisieren, was du ablehnst. Bisweilen und im Laufe der Zeit scheint er daher alle möglichen Überzeugungen zu vertreten. Er ist nicht konsequent. Er hat kein Image. Manchmal verneint er. Manchmal bejaht er. Manchmal bejaht er, was er bereits verneint hat. Manchmal verneint er, was er bereits bejaht hat. Er ist nutzlos. Seine Lehre ist jeder erdenkliche Unsinn. Seine Weisheit ist spurlos verschwunden. Um es kurz zu sagen, das ist seine Weisheit.
Zu guter Letzt vertritt er überhaupt keine Wahrheit. Seine Lebensweise lockt daher jeden, nur zu verstehen. Seine Existenz leugnet jegliche Wahrheit, jeglichen Weg, durch den die Menschen von gewissen Wahrheiten, gewissen Erfahrungen, gewissen Nachahmungen der Freiheit und Freude abhängen. Er ist ein Verführer, ein Verrückter, ein Betrüger, ein Lüstling, ein Narr, ein Moralist, ein Verkünder von Wahrheiten, ein Träger sämtlicher Erfahrung, ein selbstgerechter Schurke, ein Prinz, ein Kind, ein Greis, ein Asket, ein Gott. Er demonstriert die Vergeblichkeit aller Dinge. So macht er das Verstehen zur einzigen Möglichkeit. Verstehen aber ist ohne Konsequenz. Doch es ist die Wirklichkeit, und diese war bereits gegeben.“

 

(aus Adi Da Samraj „Das Knie des Lauschens“)

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Gott

In unserer Abwesenheit als Jemand ist Gott. Diese Abwesenheit als Jemand gehört ebenfalls Gott an. Da ist nur Gott.

 

 

(Aus Jean Klein – Nichts als Gegenwart)

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aufhören, Ihre Ketten zu schmieden

Frage: Welche Erfahrung kommt dem Höchsten am nächsten?
Maharaj: Unendlicher Friede und grenzenlose Liebe, Verstehen Sie, dass alles, was wahr, edel und schön ist im Universum, von Ihnen kommt. Sie selbst sind die Quelle. Die Götter und Göttinnen, die die Welt regieren, mögen wundervolle und herrliche Wesen sein, und doch sind sie nur die prächtig heraus geputzten Diener, die die Kraft und den Reichtum ihres Herrn verkünden.

Frage: Wie erreicht man diesen höchsten Zustand?
Maharaj: Indem Sie alle niedrigen Wünsche aufgeben. Solange Sie mit dem Niedrigeren zufrieden sind, können Sie nicht das Höchste haben. Was immer Ihnen gefällt, hält Sie zurück. Sie haben noch nicht einmal den ersten Schritt getan, solange Sie nicht verstanden haben, dass alles unbefriedigend, vergänglich und begrenzt ist und Sie Ihre Kräfte für dieses eine große Sehnen sammeln. Andererseits ist die Reinheit Ihres Wunsches nach dem Höchsten bereits ein Ausdruck des Höchsten selbst. Nichts Physisches oder Mentales kann Ihnen Frieden geben. Wenn Sie einmal verstanden haben, dass Sie selbst Ihr Gefangensein erzeugen und aufhören, Ihre Ketten zu schmieden, sind Sie frei.
(Sri Nisargadatta Maharaj „ICH BIN“)

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